Trend Thema: KI im Personalwesen

KI bleibt das bestimmende Thema und SAP macht Joule zum digitalen Kollegen
Wer gehofft hatte, dass der KI-Hype langsam abflaut, wurde auf den diesjährigen DSAG Personaltagen in Heidelberg schnell eines Besseren belehrt. Künstliche Intelligenz war nicht nur ein Programmpunkt unter vielen, sondern zog sich wie ein roter Faden durch nahezu alle Vorträge und Diskussionen.
Interessant war dabei weniger die Frage, ob Unternehmen KI einsetzen werden, sondern vielmehr wie sie den Einstieg schaffen und welchen konkreten Nutzen sie daraus ziehen können.
Von der HR-Transformation zur KI-Transformation
Traditionell stehen auf den DSAG Personaltagen Themen wie SAP HCM, SuccessFactors oder die Migration nach SAP HCM for S/4HANA im Mittelpunkt. Diese Themen bleiben wichtig.
Neu ist jedoch, dass KI inzwischen als verbindendes Element nahezu aller HR-Prozesse gesehen wird. Ob Recruiting, Learning, Self Services oder People Analytics – überall soll KI Mitarbeitende unterstützen und Routineaufgaben automatisieren. Die DSAG bestätigt diesen Trend auch in ihrer aktuellen Mitgliederumfrage: Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit KI, erwarten jedoch transparente Lizenzmodelle, praxisnahe Einsatzmöglichkeiten und einen klaren geschäftlichen Mehrwert.
Die eigentliche Erkenntnis lautet deshalb:
Nicht mehr die Einführung einer Cloud-Lösung allein entscheidet über den Erfolg einer HR-Transformation, sondern die Fähigkeit, KI sinnvoll in bestehende Prozesse zu integrieren.
Joule entwickelt sich vom Chatbot zum digitalen Assistenten
Spannend ist dabei vor allem die Strategie von SAP rund um Joule.
Vor knapp zwei Jahren wurde Joule noch als generativer KI-Assistent vorgestellt. Heute verfolgt SAP deutlich größere Ziele.
Joule soll künftig die zentrale Benutzeroberfläche für sämtliche SAP-Anwendungen werden. Anwender sollen nicht mehr durch komplexe Menüs navigieren müssen, sondern ihre Aufgaben in natürlicher Sprache erledigen.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um einfache Fragen oder Zusammenfassungen.
Joule soll:
- Geschäftsdaten analysieren
- Prozesse anstoßen
- Informationen aus verschiedenen SAP-Systemen zusammenführen
- Anwender durch komplexe Geschäftsprozesse begleiten
- eigenständig Aufgaben über sogenannte KI-Agenten koordinieren
SAP spricht inzwischen sogar von einer agentenbasierten KI-Strategie, bei der mehrere spezialisierte KI-Agenten zusammenarbeiten und Geschäftsprozesse weitgehend automatisiert unterstützen.
KI wird Teil des ERP-Systems
Ein weiterer Trend wurde ebenfalls deutlich:
SAP möchte KI nicht als zusätzliche Anwendung verkaufen, sondern direkt in die Business Suite integrieren.
Ob Einkauf, Finance, Personalwesen oder Supply Chain – Joule soll überall verfügbar sein und den Anwender genau dort unterstützen, wo gearbeitet wird.
Damit verändert sich auch die Rolle des klassischen SAP-Anwenders.
Statt sich komplexe Transaktionen merken zu müssen, wird künftig immer häufiger die Fähigkeit gefragt sein, gute Fragen zu formulieren und Ergebnisse kritisch zu bewerten.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Viele Unternehmen befinden sich aktuell noch mitten in der Migration nach SuccessFactors oder S/4HANA.
Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch erst danach.
Wer lediglich bestehende Prozesse in die Cloud überführt, schöpft das Potenzial moderner KI-Lösungen nicht aus.
Erst wenn Prozesse neu gedacht werden, kann KI Routineaufgaben übernehmen und Mitarbeitende tatsächlich entlasten.
Genau darin liegt aus meiner Sicht die eigentliche Botschaft der DSAG Personaltage.
Mein Fazit
Die Diskussion hat sich verändert.
Vor zwei Jahren lautete die Frage:
"Brauchen wir KI?"
Heute lautet sie:
"Wie integrieren wir KI sinnvoll in unsere Geschäftsprozesse?"
SAP investiert massiv in Joule und entwickelt den Assistenten konsequent zu einer intelligenten Arbeitsoberfläche für die gesamte Business Suite weiter. Für SAP-Berater bedeutet das ebenfalls einen Wandel: Gefragt sind künftig nicht mehr nur Kenntnisse über Customizing oder Prozesse, sondern vor allem ein Verständnis dafür, wie KI echten Mehrwert schafft.
Und genau darin liegt aus meiner Sicht die spannendste Entwicklung der nächsten Jahre.
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